G e s c h i c h t l i c h e s

Österreicher hatten und haben es gut; denn in Sachen Gold hat das
Alpenland eine lange Tradition. Das legendäre Tauerngold ist ebenso ein
Begriff wie das rare Donaugold. Dass aber das Donaugold im Grunde von den
Alpenflüssen (zb. Salzach) mitgeführtes Tauerngold ist, wissen nur
wenige.

Anfangs waren es jungsteinzeitliche Jäger und Sammler, später Kelten,
Römer und dann Knappen des Mittelalters, die sich in den Bergen dem Traum
vom Reichtum hingaben. Die Kelten waren es, die das Gold der Hohen Tauern
bekannt und berühmt machten, dies beweist der Fund eines goldenen (!)
Halsreifen im Rauriser Seidlwinkel.



Goldwäscherglück in der Salzach

Gold fand man damals wie heute gediegen, das heißt als pures, elementares
Gold in Nuggets bis zu Bohnengröße. Damals wie heute hol(t)en sich
GoldwäscherInnen nasse Füße, denn Gold wird meist als Waschgold aus
goldführenden Sanden aus kalten Gebirgsbächen gewonnen. Die andere
Variante ist das Schmelzen goldführender Erze; auch das war sowohl Kelten
als auch Römern bereits vertraut. Allerdings ist die Ausbeute eher gering,
denn im Schnitt lassen sich nur acht Gramm Gold aus einer Tonne Gestein
gewinnen.



Erster Goldrausch im 14. Jahrhundert

Der erste große Goldboom, abgesehen von den Kelten und Römern, geht auf
das 14. Jahrhundert zurück. Als Gastein im Jahre 1327 vom Erzbistum
Salzburg erworben wurde, hatten die Kirchenväter reges Interesse an Gold.
Unter Bischof Leonhard von Keutschach (1442 - 1519), der 1495 Erzbischof
von Salzburg wurde, erlebte der Edelmetallbergbau in den Tauern - neben
Gold wurde auch Silber gewonnen - eine wahre Hochblüte. Zeitgleich, etwa
um 1500, war der Venezianer Andreas Stuby auch in den steirischen Berge
recht erfolgreich in Sachen Gold unterwegs. Er rühmt sich mehr als zwei
Tonnen Gold von Pusterwald nach Venedig getragen zu haben. Das wäre eine
enorme Leistung. Vor allem wenn man die einfachen Werkzeuge der Knappen
bedenkt. Lediglich Hammer und Schlegel, die Insignien des Bergbaus, dienten
den Knappen bei ihrer Arbeit unter Tage hoch oben in den Bergen. Zunächst
wurde das Gestein mit Feuer erhitzt und dann mit Wasser abgeschreckt. So
kommt es zu einer Auflockerung des Gesteins, das sich leichter gewinnen
lässt.



5650m langes Stollensystem

Wie eifrig die Suche nach den goldhältigen Erzen betrieben wurde, zeigt
das 5650m lange Stollensystem weit über der Baumgrenze am Hohen Goldberg
in den Tauern. Doch zu Ende des 16. Jahrhunderts wurden viele der
hochgelegenen Stollen vom vorrückenden Gletschereis zugedeckt. Das war nur
ein Grund für den Niedergang des Goldbergbaus. Andere waren wohl die
Goldimporte aus der "Neuen Welt" und religiöse Gründe - hier ist die
Vertreibung der überwiegend protestantischen Bergleute zu.

An der Südseite der Tauern tauchte im Jahre 1676 ein gewisser "Matthias
Jenner und Consorten" mit seinen Mannen auf. Ansehnliche 4,8 Kilogramm Gold
und 9,5 Kilogramm Silber schaffen sie im Jahresschnitt aus den Bergen
Kärntens.



Ignaz Rojacher: Renaissance im Goldbergbau

Ein Name ist noch zu nennen; der des Ignaz Rojacher, der vor mehr als 100
Jahren unter größtem persönlichen Einsatz eine Renaissance im Rauriser
Goldbergbau einleitete. In einer Bilderbuchkarriere schafft er es aus dem
Kreise der Armen zum reichen Mann. Schließlich schaffte er eine
Jahresproduktion von 15,4 Kilogramm Gold und 38 Kilogramm Silber. Auch er
musste seine Goldgruben schließen, was blieb, ist das von ihm gegründete
Sonnblick Oberservatorium.



Heilstollen von Gastein

Ein zweites Überbleibsel, allerdings aus einem glücklosen Goldstollen, ist
der Heilstollen von Gastein. Als man 1941 im Naßfeldtal den Stollen
vortrieb, wollte man Gold gewinnen; was man fand war ein hoher Radongehalt
in der Luft; der heute für medizinische Zwecke genutzt wird.



Goldvorkommen in "Goldgängen"

Wenn es um Gold geht, so kommt dieses in den s.g. Goldgängen vor, diese
wiederum findet man in den Zentralgneisgebieten und den darüber
befindlichen Schieferhüllgesteinen. Das alles sind Umwandlungsgesteine
(Metamorphite). Diese wurden teilweise schon in älteren erdgeschichtlichen
Epochen, in ihrer Hauptphase aber während der alpinen Gebirgsbildung, mit
der abschließenden "Tauernkristallisation", deren Höhepunkt vor rund 30
Millionen Jahren war, gebildet. Zurück zu den Goldgängen: die Erze dieser
Gänge - so nimmt man an - wurden aus großteils kieselsäurereichen
Lösungen aus dem umgebenden Nebengestein angereichert. Diese Lösungen mit
einer Temperatur zwischen 300 und 400 °C durchwanderten langsam das
poröse Gestein, bevor sie in ehemaligen Hohlräumen (Klüften), heute als
meist sehr dünne quarzreiche Goldgänge, zum Absatz kamen.